Berufsfeuerwehrwochenende 2022

Erschöpft schauten wir Betreuer am Sonntagmittag in die müde lächelnden Gesicherter unserer 14 „Raßnitzer Atzen“, die seit Freitagnachmittag ihr Wissen und Können in anspruchsvollen Einsatzübungen rund um die Uhr unter Beweis gestellt haben. Denn nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause fand Anfang Mai wieder das traditionelle Berufsfeuerwehrwochenende unsere Jugendfeuerwehr statt. Zu seiner Neuauflage haben wir keine Mühen gescheut und uns zusammen mit der Ortsfeuerwehr Ermlitz ein großes Rahmenprogramm ausgedacht.

Aber alles auf Anfang: Nach mehreren Monaten intensiver Planung traf sich unser Nachwuchs am Nachmittag des 06. Mai im Gerätehaus der Feuerwehr Raßnitz und verwandelte den Schulungsraum in einen großen Schlafsaal. Bis Sonntag simulierten sie von nun an die Wachbereitschaft einer Berufsfeuerwehr. Nach einer kurzen Belehrung und der Einteilung des Schichtplans wurden darauf die Fahrzeuge auf ihre Funktionalität und Instandhaltung geprüft – genau so, wie es die hauptamtlichen Kräfte auch zum Beginn ihres Dienstes tun. Und mit jeder Minute, die verging, stieg auch die Anspannung auf den ersten Einsatz…

Dieser sollte aber nicht lange auf sich warten lassen. Nach dem gemeinsamen Pizzaessen wurde sowohl unsere Feuerwehr als auch die Jugendlichen aus Ermlitz zu einem Gebäudebrand in die Ortslage Röglitz alarmiert. Bereits auf Anfahrt konnte das Szenario bestätigt werden. Durch eine Nebelmaschine stieg Rauch aus dem vollständig verqualmten Jugendclub auf und durch den Anrufer, welcher den Einsatz gemeldet hatte, war klar, dass noch eine Person im Gebäude sei. Jetzt musste alles blitzschnell gehen: Aufbau eines ersten Löschangriffs, Durchführung der Menschenrettung, Absperrung der Unfallstelle und Betreuung von zwei verletzten Personen. Durch die realistische Darstellung an der Einsatzstelle hätte man schnell vergessen können, dass es sich lediglich um eine Übung handelt. So war das know-how aller Jugendlichen gefragt, um den Einsatz zu bewältigen. Das Fazit der Betreuer nach dem Einsatz war überragend und großes Lob gab es auch von unserem Bürgermeister, dem amtierenden Gemeindewehrleiter sowie von dem Gemeindejugendfeuerwehrwart, welche mittendrin im Geschehen waren und jeden Schritt live verfolgten.

Am späten Abend dann ein zweiter Alarm. Im Gewerbegebiet von Raßnitz wurde ein unklarer Feuerschein bemerkt. Auch hier konnte die Jugend durch das schnelle Löschen des Brandes überzeugen. Zuvor hatte unsere Einsatzabteilung ein kleines, selbstgebautes Holzhäuschen aus Paletten für den Nachwuchs präpariert. Durch den Einsatz von Wasser und Übungsschaum war die Gefahr jedoch schnell gebannt und das Feuer unter Kontrolle.

Der nächste Morgen begann gleichfalls ereignisreich. Nach der wohlverdienten Nachtruhe wurden wieder beide Jugendfeuerwehren aus dem Schlaf geweckt. Dieses Mal löste die Brandmeldeanlage der Turnhalle in Raßnitz aus. Hier konnte jedoch schnell Entwarnung gegeben werden, da kein Brand vor Ort festgestellt werden konnte. Nichtsdestotrotz mussten die Fahrzeuge wieder aufbereitet und verbrauchtes Material aufgefüllt werden. Für alle, die davon noch nicht wach genug waren, gab es im Anschluss eine gute halbe Stunde Morgensport. In der Küche wurden parallel dazu frische Brötchen vorbereitet und warmer Kaffee für die Betreuer gekocht, was nach dem Fitnesstest eine willkommene Stärkung war.

Gegen frühen Nachmittag stand das Highlight des Samstages bevor. Nach einem weiteren Einsatz gegen 09:00 Uhr und einem leckeren Mittagessen aus der Gulaschkanone ging es zusammen zur Freiwilligen Feuerwehr nach Schkeuditz. Die Kameraden aus Sachsen hatten exklusiv für uns ihren Fuhrpark hergerichtet. Großer Blickfang war dabei vor allem der Rüstwagen und die neue Drehleiter. Beide waren einem Großteil des Nachwuchses noch nicht bekannt und so war gerade das in Stellung bringen von letzterer ein besonderes Erlebnis, wo ein jeder tatkräftig mitmachen konnte.

Der Samstagnachmittag und -abend war gezeichnet von drei weiteren Einsätzen. Neben brennenden Grünschnitt gegenüber der Jugendanstalt Raßnitz und der Nachforderung von Gerätschaften zu einem Ereignis nach Ermlitz galt es so beispielsweise, eine vermisste Person in Nähe des Raßnitzer Sees ausfindig zu machen. Hier waren die Kenntnisse aus den vergangenen Diensten unserer Raßnitzer Atzen gefordert. In Hinsicht auf die zunehmende Dämmerung musste die letzte Einsatzstelle adäquat ausgeleuchtet werden. Auch die Organisation der Suchtrupps stellte den eingeteilten Gruppenführer vor eine Herausforderung, welche das Team zusammen aber mit Bravour meisterte.

Neben dem Ausflug und sämtlichen Einsatzübungen spielte das gemeinsame Miteinander und die Kameradschaftspflege unter den Wehren ebenso eine wichtige Rolle. Um sich gegenseitig Kennenzulernen trafen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer abends zu einem großen Grillen am Sportplatz von Ermlitz. Bei frisch gegrilltem Fleisch und Grillkäse konnte die notwendige Kraft getankt werden, welche die energiegeladensten beim anschließenden Fußballspielen direkt wieder verbrauchten. Ein Ballverlust im Mühlgraben konnte durch Zusammenarbeit aller Jugendlichen schnell gerettet werden. Der Teamgeist erfüllte die Betreuer mit Stolz – so haben wir es uns vorgestellt.

Und jetzt ist klar, warum wir zum Sonntag in müde lächelnde Gesichter blickten: Insgesamt sieben Einsätze hatten unsere Raßnitzer Atzen hinter sich gebracht und mit ihren Fähig- und Fertigkeiten gut gemeistert. Wir Jugendfeuerwehrwarte sind stolz auf die Truppe und das, was unser Nachwuchs gezeigt hat. Insofern war das Wochenende ein voller Erfolg, was durch das positive Feedback aller am Sonntag unterstrichen wurde.

Zum Abschluss möchten ich es nicht vermissen lassen, mich persönlich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern zu bedanken. Dies gilt vor allem für die Betreuer Marvin Günther, David Steinbach, Michel Huber, Robby Wilhelm; sowie Chris Kallmeier, Lion Steinbach und Danilo Theophil, welche als Älteste in der Jugend eine wichtige Hilfe waren. Für die Zubereitung der Mahlzeiten danken ich vor allem Sven Steinke, Nancy Eichmann und Tanja Kallmeier sowie der Ortsfeuerwehr Großkugel, welche uns ihre Feldküche zur Verfügung stellte. Der Einsatzabteilung gebührt besonderen Dank für die Vorbereitung bei den Einsätzen, allen voran Sven Eichmann, Robert Schmidt, Micha Nickel, Maik Dreyhaupt und Alexander Riedel. Der Förderverein unserer Feuerwehr war uns für die finanzielle Realisierung eine enorme Hilfe. Ein großer Dank richtet sich auch an Oliver Huske, Anja Kopf sowie Torsten Steinhoff, welche mit ihren Bildern unseren nächsten Jahresrückblick 2022 sehr bereichern werden. Wir haben uns zudem sehr darüber gefreut, dass das Deutsche Rote Kreuz mit einem Krankentransportwagen unserer Einladung für das Wochenende gefolgt ist und die Feuerwehr Schkeuditz der Besichtigung offen gegenüberstand. Und last but not least: Danke an die Kameradinnen und Kameraden sowie der Jugend der Feuerwehr Ermlitz für die gute Zusammenarbeit vor, während und nach dem Event.

Kam. Niklas Oliver Steinhoff
Jugendfeuerwehrwart